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Neuer Alltag in Kitas

Neuer Alltag in Kitas
Neuer Alltag in Kitas
© Bistum Limburg

Ab 2. Juni sollen Kitas in Hessen und Rheinland-Pfalz wieder öffnen. Was das bedeutet, erklärt Ralf Stammberger, Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen im Bistum Limburg, im Interview.

Am 2. Juni sollen die Kindertagesstätten in Hessen und Rheinland-Pfalz auch jenseits des Notbetriebes öffnen. Das gilt auch für die 300 Einrichtungen im Bistum Limburg. Wie wird diese „große Wiedereröffnung“ in der Diözese geplant?

Ab dem 2. Juni soll die dritte Phase zu der sogenannten „eingeschränkten Regelbetreuung“ umgesetzt werden. Der Begriff „groß“ für diese Wiedereröffnung ist also zu relativieren. Er bedeutet, dass dann grundsätzlich für alle Kinder wieder ein Betreuungsangebot realisiert werden soll. Mit Blick auf die Infektionsrisiken werden die Gruppen aber auf etwa die Hälfte ihrer normalen Größe verkleinert. Deshalb können nicht alle Kinder wie gewohnt zur gleichen Zeit betreut werden. In unseren Kitas arbeiten zudem etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zu den sogenannten Risikogruppen zählen und deshalb nicht im Kinderdienst eingesetzt werden sollen, um sie nicht zu gefährden. Das ist in den Kitas besonders notwendig, da die Abstandsgebote zwischen den Kindern und Pädagogen nicht immer gewahrt werden können. Die Mitarbeitenden aus den Risikogruppen sollen deshalb ihre Einsatzmöglichkeiten mit ihrem Hausarzt besprechen. Natürlich steht ihnen auch der betriebsärztliche Dienst zur Verfügung.

Für die genauen Planungen fehlen uns noch entsprechende Verordnungen der beiden Bundesländer. Wir wissen beispielsweise noch nicht, wie groß die jeweils zu betreuenden Kindergruppen sein dürfen. Wir rechnen mit diesen Verordnungen Ende dieser oder Anfang nächster Woche. Auf dieser rechtlichen Grundlage können dann die Träger und Einrichtungen ihre konkreten Planungen aufbauen. Das soll auch in Abstimmung mit den Beiräten der Einrichtungen erfolgen. Wir von der Abteilung Kindertageseinrichtungen stellen eine Planungshilfe bereit und auch unsere Fachberatung unterstützt hier.

Der nächste Schritt wird dann die Abfrage der Betreuungsbedarfe bei den Eltern sein, damit die konkreten Angebote geplant werden können, die die Einrichtung unter den beschriebenen Rahmenbedingungen leisten können. Wenn die Betreuungsbedarfe vorliegen, kann die endgültige Planung erfolgen. Für den Kitabereich ist das ein sehr enger und ambitionierter Zeitplan. Wir wissen jedoch um die dringenden Bedarfe der Kinder und Familien und werden alles darangeben, diesem gerecht zu werden.

Können alle Eltern ihre Kinder ab dem 2. Juni wieder in die Kita bringen?

Grundsätzlich sollen alle Kinder wieder gehen können. Ausgenommen sind – wie sonst im Übrigen auch – Kinder mit Krankheitssymptomen. Erkältungssymptome sind natürlich derzeit besonders kritisch und ein Ausschlusskriterium.

Da die Gruppengrößen voraussichtlich in etwa halbiert werden müssen, wird es – wie in den Schulen – ein Schichtsystem geben. Ob die Bundesländer dies vorgeben oder ob die Träger und Einrichtungen vor Ort hier Gestaltungsspielräume haben werden, steht noch nicht fest. Wir hoffen sehr, dass verantwortlich ausgestaltete Lösungen vor Ort möglich sein werden. In Rheinland-Pfalz haben wir in der Notbetreuung in den vergangenen Wochen damit gute Erfahrungen gemacht, denn viele Eltern haben die Betreuungsangebote nur angenommen, wenn es unbedingt notwendig war. Es wäre gut, wenn das auch weiterhin in der Verantwortung der Leitungen läge, die die Situation der Familien am besten kennen.

Gerade bei Personalengpässen, die vor allem aufgrund der Risikogruppen gegeben sein werden, wird aber auch der Schichtbetrieb weiter eingeschränkt werden müssen. Der Gesundheitsschutz hat nach wie vor Priorität.

In Corona-Zeiten müssen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Die pädagogische Arbeit in Kitas ist davon nicht ausgenommen. Was müssen Eltern und Kinder beachten?

Die Abstandgebote gelten für alle Erwachsenen untereinander. Sie gelten nicht für die Kinder und auch die Pädagogen dürfen sie unterschreiten. Dass man hier zurückhaltend sein sollte, erklärt sich von selbst. Wichtig ist natürlich das regelmäßige Händewaschen, besonders nach dem Ankommen in der Kita, um möglichst nichts in die Einrichtung hineinzutragen. In der Abhol- und Bringsituation sollte nur eine Person die Einrichtung betreten. Hier wird es auch striktere Zeitvorgaben zu den Bring- und Holzeiten geben und es wird für die Eltern notwendig sein, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Selbstverständlich werden die Kitas noch gründlicher als sonst gereinigt und kritische Bereiche desinfiziert, sowie auf regelmäßiges Lüften geachtet. In der Notbetreuung hat sich das bereits gut eingespielt und auch die Kinder, die nun nach Wochen endlich wieder in die Kita dürfen, werden sich sehr schnell daran gewöhnen.

Am Wochenende habe ich in der Predigt den einprägsamen Satz gehört: „Das Gebot der Nächstenliebe fordert von uns derzeit Abstand zu halten.“ Das versuchen wir natürlich auch mit den Kindern einzuüben, aber ich bin sehr froh, dass wir ihnen hier nichts abverlangen müssen, das schon vielen Erwachsenen schwer fällt.

Aktualisiert am Mittwoch, 20. Mai, 20:45 Uhr

In Rheinland-Pfalz sind in einem breit angelegten und konsensualen Prozess aller Verantwortlichen die Grundlagen für den eingeschränkten Regelbetrieb erarbeitet worden. Damit haben die Träger und Einrichtungen nun die Möglichkeit, die Betreuungsangebote zu planen, um rechtzeitig vor dem 2.6. die Eltern entsprechend informieren zu können. Das Nähere finden Sie hier: https://corona.rlp.de/fileadmin/bm/Bildung/Corona/Corona_Leitlinien_Kita.pdf

In Hessen haben sich das Land und die kommunalen Spitzenverbände grundsätzlich darauf verständigt, dass ab 2.6. ebenfalls der eingeschränkte Regelbetrieb aufgenommen werden soll. Hier wird es jedoch nach den bisherigen Mitteilungen keine Betreuungsmöglichkeit für alle Kinder geben. Die Kirchen und andere freie Träger sind heute über diese Planungen informiert worden und bewerten diese kritisch, da die Rechte der Kinder und die Bedarfe der Familien hier weiterhin nur sehr eingeschränkt in den Blick genommen werden. Die konkrete Verordnung steht allerdings noch aus. Das Nähere finden Sie hier: https://www.hessen.de/presse/pressemitteilung/hessen-startet-am-2-juni-mit-eingeschraenkter-regelbetreuung-0

AKTUALISIERT AM 27. MAI 2020

Hessen: Die Einführung des eingeschränkten Regelbetriebes soll gemäß Zwölfter Verordnung zur Anpassung der Corona-Verordnungen vom 25.5. ab 2. Juni erfolgen. Die Leitlinien des Bistums Limburg zum eingeschränkten Regelbetrieb finden Sie hier.RLP: Die Einführung des eingeschränkten Regelbetriebes soll gemäß 8. Corona-Verordnung vom 26.5. bis zum 8. Juni erfolgen. Die gemeinsamen Leitlinien zum eingeschränkten Regelbetrieb finden Sie hier.

Rheinland-Pfalz: Die Einführung des eingeschränkten Regelbetriebes soll gemäß 8. Corona-Verordnung vom 26.5. bis zum 8. Juni erfolgen. Die gemeinsamen Leitlinien zum eingeschränkten Regelbetrieb finden Sie hier.