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Kinder haben Rechte

Ein Fachtag im Wilhelm-Kempf-Haus informiert über Kinderrechte und Demokratieerziehung
Kinder haben Rechte
Kinder haben Rechte
Mit diesem Koffer sind Kindertagesstätten gut gerüstet. © Bistum Limburg

Demokratie und Menschenrechte schon bei Kindern spielerisch zum Thema machen. Das will ein neuer Koffer des Bistums Limburg, der am Dienstag, 29. Oktober, in Wiesbaden-Naurod vorgestellt worden ist. Der Koffer beinhaltet unter anderem das Maskottchen Bundi, den Bundesadler, zehn kindgerecht gestaltete Bildkarten, die die Kinderrechte der Vereinten Nationen aufgreifen, eine DVD sowie weitere Anregungen zur Arbeit mit Kindern. Mit dem Koffer können sich Kinder mit den Menschen- und Kinderrechten, der Frage von gesellschaftlicher Beteiligung sowie dem Umgang mit Populismus und rechtem Gedankengut auseinandersetzen. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist etwas, für das wir arbeiten, es bewahren und pflegen müssen“, betonte Sabine Müller-Wendt von der Abteilung Kindertageseinrichtungen im Bistum Limburg und Projektverantwortliche. Ereignisse wie die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke, der Anschlag auf die Synagoge in Halle sowie zuletzt die Wahlen in Thüringen zeigten, wie wichtig es sei, bereits Kinder mit diesen Themen zu konfrontieren. Es gelte, sie zu engagierten Demokraten zu machen. Zu dem Fachtag im Wilhelm-Kempf-Haus kamen etwa 100 Personen, darunter Pädagoginnen und Pädagogen von katholischen Kindertagesstätten und Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats.  

Kinderrechte sind ein global gültiger Standard

Der Berliner Professor Jörg Maywald von der Deutschen Liga für das Kind appellierte an die Teilnehmer, die Arbeit katholischer Kindertagesstätten noch stärker auf die Kinderrechte der Vereinten Nationen auszurichten. Angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen, einer wachsenden Kluft von Arm und Reich sowie einer Zunahme von kultureller, religiöser und gesellschaftlicher Diversität – auch infolge von Flucht und Migration – brauche es verbindliche Regeln für das Zusammenleben. Die von fast allen Ländern weltweit ratifizierte UN-Kinderrechtskonvention von 1989 stelle einen „global gültigen Standard“ für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen dar.

Schutz, Förderung und Beteiligung sind Säulen

In seinem Vortrag „Das Kind als Träger eigener Rechte – Kinderrechte als Grundlage einer Erziehung zur Demokratie“ räumte der Soziologe Maywald mit verschiedenen Missverständnissen auf. Zwar hätten die Kinderrechte bereits in fast alle Parteiprogramme Einzug gehalten, dennoch gebe es politische und gesellschaftliche Versuche, Kinderrechte zu begrenzen, in dem nur ein bestimmter Aspekt der Kinderrechtskonvention betont werde. „Kinderrechte sind nicht nur Schutzrechte“, machte der Experte deutlich. „Schutz, Förderung und Beteiligung sind die drei Säulen der Kinderrechte.“ Sie gehörten unteilbar zusammen. Maywald griff auch den Vorwurf auf, dass die Kinderrechte die Elternverantwortung missachten würden. Gerade in konservativen Kreisen – auch in der katholischen Kirche - gebe es diese Vorbehalte, die so aber nicht stimmten. Vielmehr würden die Kinderrechte auch die Elternrechte stärken.    

Partizipation in der Praxis fördern

Davon wie die Kinderrechte praktisch im Kita-Alltag umgesetzt werden können, berichtete Sandra Reemen, Leiterin der Kindertagesstätte „Sonnenschein“ in Kirn. Die Kita, die sich bereits seit 1995 mit dem Thema Demokratieerziehung beschäftigt, ist von 2018 bis 2020 zu einer sogenannten Konsultationskindertagesstätte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz ernannt worden, die in diesem Bereich besonders gute Arbeit leistet. In der aus drei Gruppen bestehenden Einrichtungen gibt es für die Kinder nicht nur die Möglichkeit, ohne Aufsicht von Erwachsenen zu spielen, die Kinder bestimmten auch wesentlich das Leben in der Kita mit: Durch Versammlungsformate wie einen Morgenkreis oder verschiedene Feedback-Instrumente wie Gefühlswürfel oder Gefühlsbarometer könnten sich die Kinder jederzeit mitteilen und auch Beschwerden äußern. Auch Projektarbeiten würden von Kindern vorbereitet und deren Verlauf maßgeblich von ihnen bestimmt. Darüber hinaus werden Kinder ermutigt, bereits früh für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, in dem sie kleine Aufgaben erhielten. Selbst beim Einkauf von Lebensmitteln könnten Kinder mitentscheiden. „Kinder zu beteiligen, stellt kein Verwöhnprogramm dar, sondern ist mehrfach gesetzlich festgeschrieben“, macht Reemen klar. „Sie zu beteiligen, heißt aber auch sie zu aktivieren.“ Diese Aktivierung könne für Erwachsene zum Teil auch herausfordernd sein. Wer darauf einlässt, müsse bereit sein, Macht abzugeben. „Und es braucht viel Vertrauen in das Verständnis von Kindern.“  

Mehr Informationen zum Koffer bei Sabine Müller-Wendt, Referentin für Fortbildung und Projektleitung „Demokratie aus dem Koffer“, Abteilung Kindertageseinrichtungen im Bistum Limburg, s.mueller-wendt@bistumbistumlimburglimburg.de; Tel. 06431/295-498

© Bistum LimburgProfessor Dr. Jörg Maywald
© Bistum LimburgProfessor Dr. Jörg Maywald
© Bistum Limburg
© Bistum Limburg
© Bistum LimburgSandra Reemen leitet die Kita Sonnenschein in Kirn.