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Ein Ort" um auf Gott aufmerksam zu werden
Ein Ort" um auf Gott aufmerksam zu werden

Ein Ort" um auf Gott aufmerksam zu werden

ESCHBORN. ? Eine Premiere für den Bischof und ein großer, lang ersehnter Tag für die Gemeinde Christ-König in Eschborn: Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit hat Bischof Georg Bätzing am Sonntag, 22. Oktober, in einer eindrucksvollen Feier die neue Kirche, das Gemeindezentrum und die Kindertagesstätte Rosenhecke geweiht. Seine erste Kirchweihe im  Bistum Limburg sei eine „schöne Ehre“, sagte der Bischof, der in seiner Predigt die Bedeutung dieses „heiligen Ortes“ unterstrich. Gott brauche keinen Tempel, auch diese neue Kirche nicht, sagte er vor über 400 Gläubigen: „Aber wir Menschen bedürfen solcher zweckfreier Räume, um auf Gott aufmerksam zu werden und zu uns selbst zu finden.“

Steiniger Weg

Jede Kirchweihe beginnt vor der Tür: Im strömenden Regen nahm hier der Verwaltungsratsvorsitzende Dietmar Albrecht aus der Hand von Architekt Roland Effgen symbolisch den überdimensionierten Kirchenschlüssel entgegen. Zuvor hatte er an den „steinigen Weg“ erinnert, der für die Gemeinde bereits im Jahre 2006 mit der Entscheidung zum Neubau begonnen hatte und zu dessen Abschluss er nun besonders herzlich den damaligen Pfarrer Klaus Wüst begrüßte. „Die Mühe hat sich gelohnt“, resümierte Albrecht, bevor Pfarrer Alexander Brückmann den Bischof um die Kirchweihe bat. Der wiederum baute auf die Unterstützung durch die Kita-Kinder, die auf seine Aufforderung hin an die Glastüren pochten und Einlass begehrten. Bevor er aber mit ihnen gemeinsam eintrat, zeichnete der Bischof mit seinem Stab ein Kreuz auf dem Boden. Wer immer diese Schwelle überschreite, so betete er, „erfahre hier Heil, Segen, Hilfe und Trost.“

Weihrauch brennt auf dem Altar

Eine erste von vielen symbolstarken Handlungen, die die besondere Feier kennzeichneten. „Ihr sollt ganz nah mit dabei sein“, versprach er den Kindern, die ihn beim Wort nahmen und dicht gedrängt am Taufstein verfolgten, wie er das Wasser segnete,  mit dem er anschließend die Gläubigen in der Kirche besprengte. Die Osterkerze wurde entzündet, die Kirche an den zwölf Apostelkreuzen mit Chrisam gesalbt. Höhepunkt des zeichenhaften Rituals war die Weihe des Altares. Feierlich wurden hier Reliquien dreier Heiliger -  Victorianus, Fausta und Elisabeth von Schönau ? beigesetzt. Nachdem er den Tisch mit Weihwasser gesegnet und mit Chrisam gesalbt hatte, verbrannte Bischof Georg Bätzing an fünf Stellen auf der Platte Weihrauch: „Damit unsere Gebete wie Weihrauch vor Gottes Angesicht steigen“.

Glaube ist keine menschliche Erfindung

Wasser, Feuer, Weihrauchduft: Mit geradezu archaischen Elementen werde der Raum seiner Bestimmung übergeben und bewusst und offensichtlich aus dem Alltäglichen ausgesondert, sagte der Bischof in seiner Predigt, in der er sich gegen die allgegenwärtigen Zwecküberlegungen wandte. Religiöse Menschen und Kirche stünden unter einem erheblichen Druck, ihre Nützlichkeit zu belegen. Doch diese rein funktionalistische Perspektive verfremde den innersten Funken und Kern des Religiösen. Der Glaube sei keine menschliche Erfindung, sondern „Antwort auf die unverfügbare Vorgabe, dass Gott existiert“. Nicht er sei eine Erfindung unseres menschlichen Geistes, „sondern wir sind ein Gedanke Gottes, den er aus purer Großzügigkeit und Liebe erdacht hat.“

Ökumenische Gastfreundschaft

Zwei Jahre Bauzeit bedeuten auch zwei Jahre Übergangszeit: Darauf verwies der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Bert Kirschbaum, der im Festakt nach der Kirchweihe ausdrücklich der evangelischen Ortsgemeinde für die ökumenische Gastfreundschaft dankte und der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass „wir jetzt die Chance haben, unser Gemeindeleben in den neuen Räumen zu neuer Blüte zu bringen.“ Und während noch Bürgermeister Mathias Geiger die gute Kooperation beim Neubau der Kindertagesstätte unterstrich, waren die kleinsten Festgäste aus der Kita schon größtenteils auf dem Heimweg. Vielleicht erinnern auch sie sich Jahrzehnte später noch an diesen Tag ? so wie der Bischof selbst, der als  Fünfjähriger seine erste Kirchweihe miterlebte und fünfzig Jahre später noch lebhaft davon zu berichten weiß. (rei)

© Foto: S. Schnelle/Bistum Limburg
© Foto: S. Schnelle/Bistum Limburg