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Der Verwaltungsaufwand steigt
Der Verwaltungsaufwand steigt
Anja Nuss ist seit 24 Jahren in der Leitung tätig, davon 15 Jahre als Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Laurentius in Koblenz-Moselweiß. „Die Verwaltungsaufgaben sind komplexer geworden“, sagt sie rückblickend. Sie kümmert sich insbesondere um die Gestaltung des Dienstplans der zwölf pädagogischen Fachkräfte, führt Elterngespräche, pflegt Statistiken und kümmert sich um das Qualitätsmanagement. © Bistum Trier

Der Verwaltungsaufwand steigt

Bistümer stellen neue Studien zu Kindertagesstätten vor

„Die Kinder sind nicht das Problem“ – lautet eine prägnante Aussage der Studie „Bürokratie- und Verwaltungsaufwand in Kitas in Rheinland-Pfalz“, die von den Diözesen Limburg, Mainz, Speyer und Trier in Auftrag gegeben wurde. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Ergebnisse in der anstehenden Novellierung des Kindertagesstätten-Gesetzes Beachtung finden. Der Trierer Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Angela Thelen, Abteilungsleiterin Kitaeinrichtungen Caritasverband für die Diözese Trier, und Professor Dr. Armin Schneider vom Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit Rheinland-Pfalz (IBEB) stellten die Studie am 29. Januar in Koblenz vor.

Gestiegene Anforderungen in der Verwaltung

„Die Kita-Landschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm verändert und weiterentwickelt“, erklärte der Trierer Generalvikar Plettenberg. Der Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Geburtstag auf einen Betreuungsplatz, die hohe Anzahl an Ganztagsplätzen und die Diskussion zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellten die Kitas vor hohen Herausforderungen, sagte Plettenberg. „Seit Jahren treten die Leitungen der Einrichtungen an uns heran und berichten von gestiegenen Anforderungen im Verwaltungsbereich. Immer mehr gesetzliche Vorgaben von Bundes- und Landesebene erfordern umfangreiche Dokumentationen und Berichte.“ Beispiele hierfür seien Brandschutzverordnungen, Hygienevorschriften oder Meldungen bei Personalunterschreitungen.

Fehlende Ressourcen für Leitungsaufgaben

„Erstmals wurde die Entwicklung der Leitungsaufgaben im Vergleich der vergangenen zehn Jahre untersucht“, hob Professor Schneider die Besonderheit der repräsentativen Studie, an der 84 Kita-Leitungen teilnahmen, hervor. „Die Untersuchung ergab, dass fast alle Leitungsaufgaben enorm zugenommen haben und neben Personalmangel Verwaltungsaufgaben als belastend wahrgenommen werden“, betonte Schneider mit Blick in die Ergebnisse. Das Leitungsdeputat, also der Stellenanteil für Leitungsaufgaben, sei von den Befragten als entschieden zu gering beurteilt worden. „57 Prozent der Befragten gaben an, die Verwaltungsarbeit nicht innerhalb der Arbeitszeit ausführen zu können. Zusätzlich geben viele Leitungskräfte an, dass ihnen das nötige Know-how im Verwaltungsbereich fehle“, lautet nach Schneider die Selbsteinschätzung der Studienteilnehmer. „So hat eine Leiterin in einem Telefoninterview gesagt, ‚Ich bin keine Buchhalterin‘“. Eine Entlastung könnten laut den Teilnehmenden neben einer höheren Stundenanzahl für die Leitungstätigkeit und einer stellvertretenden Leitung auch professionelle Verwaltungskräfte sein, die direkt in den Einrichtungen. „Diese könnten dann reine Aufgaben der Meldungen im Bereich Personal und der Dokumentation im Rahmen gesetzlicher Bestimmungen bearbeiten“, erläuterte Schneider die Vorschläge der Befragten. Die Studie zeige deutliche Handlungsbedarfe auf.

Studie hat Relevanz über katholische Träger hinaus

„Eine zu geringe Leitungsarbeitszeit, wie sie in der hier vorliegenden Studie herausgestellt wurde, ist auch im Bundesdurchschnitt zu sehen“, stellte Schneider im Hinblick auf die Relevanz der Studie fest. „Die Tatsache, dass die Ergebnisse mit anderen Erkenntnissen zu Kitas in Rheinland-Pfalz konvergieren, lässt den Schluss zu, dass eine Repräsentativität über die katholische Trägerschaft hinaus gegeben ist.“

„Wir, die Diözesen Limburg, Mainz, Speyer und Trier, wollten aus den vielen Einzelberichten eine wissenschaftlich fundierte Aussage und Bewertungen erhalten und diese auch der Politik vorstellen“, sagte Graf von Plettenberg. „Dies geschieht am 15. Februar im Rahmen eines Fachtages in Koblenz. Zu dieser Veranstaltung ist die Praxis, Träger, Politik und Fachöffentlichkeit eingeladen“, informierte Angela Thelen.

„Selbstverständlich erwarten wir, dass die Ergebnisse der Studie bei der Novellierung des Kita-Gesetzes Beachtung finden. Dies könnte zum Beispiel in einer klaren Erhöhung des Leitungsdeputates oder in der Anerkennung von Verwaltungskräften für die Kitas münden“, erklärte Angela Thelen in Hinblick auf die politische Bedeutung der Studienergebnisse. Die Ergebnisse werden den Verantwortlichen in der Politik zur Verfügung gestellt werden, um fundiert Notwendigkeiten und Bedarfe zu diskutieren. (PM/Bistum Trier) 

Die Katholische Kirche betreibt in Rheinland-Pfalz mehr als 670 Kindertagesstätten. An der Studie haben 84 Leiterinnen von katholischen Kitas in den rheinland-pfälzischen Diözesen Limburg, Mainz, Speyer und Trier teilgenommen. Dabei wurden 36 Jugendamtsbezirke erfasst. In den befragten Kitas wurden im Durchschnitt 79 Kinder betreut. Im Durchschnitt üben Leitungskräfte ihre Tätigkeit für 14 Jahre aus.

Weitere Informationen zu den Kindertagesstätten im Bistum Limburg unter www.kita.bistumlimburg.de.